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Markus Kurz - Radio Dreyeckland Freiburg - Jazzredaktion


Wallace Roney - Village
(Warner Bros. 9362-46649-2 - WEA)


„Village“ soll die Intimität des Musizierens in einer dörflichen Umgebung (Afrikas) implizieren, aber auch denkt man sich noch das Präfix „Global“ davor - die heutige - zumindest theoretisch vorhandene - Möglichkeit der Omnipräsenz aller auf Tonträger verfügbaren Musik im sich ausweitenden Sprawl.

Die daraus resultierenden Spannungsfelder bearbeitet Wallace Roney in bravouröser Art. Er entwickelt sich langsam zum wahren Meister seines Instrumentes, besteht mühelos den musikalischen Vergleich mit bspw. dem mediengewandten Wynton M.

Die CD teilt sich auf in 2 Abschnitte: Der erste Teil, die Stücke 1-5, sind bis auf ein Stück Standards bzw. Beiträge der hochkarätigen Sidemen von Wallace Roney, besonders die Interpretation des Joe Henderson Stücks „Inner Urge“ ist herausragend. Das einzige Roney-Original im ersten Teil featured den Gastauftritt von Pharoah Sanders, der mit einem fulminanten Solo auf dem ihm gewidmeten Stück „The Pharoah“ brillieren kann.

Der zweite Teil der CD, in dem die einzelnen Stücke ineinander übergehen sind im Charakter einer Suite gehalten. Bis auf ein Stück von Lenny White alles Originale von Wallace Roney, stellen sie den Kern der Village-Thematik dar, bei der vor allem afrikanische Rhythmen dominieren. Beginnend mit dem faszinierend geräuschigen Titelstück fließen jetzt leichte Akzente von Synthesizer und elektrischen Klängen ein, die den unheimlich dichten Soundteppich unmerklich auflockern und die besten I(nstumental)-(Kontra)Punkte setzen.

Hier tritt deutlich die Meisterschaft von Wallace Roney als Zauberer zwischen den musikalischen Räumen hervor, wie es auch sein Mentor Miles war, allerdings nicht ihn kopierend, sondern in eigenständiger Weise diese Punkte und Räume setzend.


>Vorgestellte< Titel:

Besetzung:

Aufnahmedatum: 3.- 5. Dezember 1996, NYC


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© markus kurz 97.11.30