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Markus Kurz - Radio Dreyeckland Freiburg - Jazzredaktion


Pat Metheny Group - Imaginary Day
(WEA 9362-46791-2)


Aufs erste Hören hat mich die neue CD „Imaginary Day“ nicht überzeugt, also „just another record of Pat Metheny Group“?.

Mitnichten: Beim mehrmaligen Hören erschließt sich eben doch wieder die ein oder andere Feinheit in den insgesamt 9 Stücken, die alle zusammen im bewährten Duo mit Keyboarder Lyle Mays konzipiert wurden, bis auf 2 Solo-Pieces von Pat. Und die neue CD ist - mit Ausnahme der letztjährigen Quartet-Platte - sicher besser als die zuletzt von der Pat Metheny Group aufgenommenen CDs, speziell die Scheibe „We live here“, die doch etwas gegenüber dem normalen Band-Standard abgefallen war.

Eklektizismus ist angesagt, also das Verschneiden verschiedener Einflüsse von Jazz, Weltmusik, ja sogar Sampling, Break stehen diesmal in dem Stück „Roots of coincidence“ auf dem Programm. Stilmix war allerdings schon immer Markenzeichen von Pat Metheny. Gleich im ersten, dem Titelstück, schweben zu Beginn fernöstliche Klänge ins Zimmer, und es geht munter weiter.

20 Jahre Pat Metheny Group: über diesen langen Zeitraum hat sich - vor allem in Zusammenarbeit mit dem alten Weggefährten Lyle Mays - ein unverwechselbarer Sound herauskristalliert, der sicher vielschichtiger geworden ist und dessen Einfluß auch immer wieder in den Produktionen anderer Künstler spürbar wird, wie bspw. auf der CD „Starfish and the moon“ des Saxophonisten Bill Evans. Pat Metheny und Lyle Mays können allerdings auch nicht als absolute Urheber dieses Sounds angesehen werden, sie haben ihn lediglich adaptiert und ausgefeilt, stark beeinflußt durch die brasilianischen Mineiros, Sound-Fluidisten wie etwa die Gitarristen Toninho Horta oder Nando Lauria, zu denen sie z.T. schon in den frühen 80ern Kontakte aufgenommen hatten. Dies hat später auch zu einigen gemeinsamen Plattenaufnahmen geführt.

Auf „Imaginary Day“ geht mir allerdings etwas die vergleichsweise Einfachheit und Klarheit früherer ECM-Alben von Pat Metheny ab, wie etwa „Watercolors“ oder „Offramp“. Diese Art von Musik verfolgt er wohl auch eher in Projekten wie der CD „Beyond the Missouri Sky“, die er 1996 im Duo zusammen mit dem Bassisten Charlie Haden aufgenommen hat. Betrachtet man nur einmal die Anzahl der unterschiedlichen Saiteninstrumente, die Pat auf „Imaginary Day“ spielt, nämlich 10, davon 2 auf seinen Produktionen noch nie zuvor gespielte, extra für Pat entwickelte Instrumente (zum einen eine 42-saitige Pikasso-Gitarre und zum anderen eine spezielle, bundlose Klassikgitarre), so muten die vielleicht 2 oder 3 unterschiedlichen Instrumente früherer Produktionen geradezu spartanisch an.

Aber: noch nie gehörte Klänge von Metheny in dem Stück „Roots of Coincidence“. Das Chamäleon unternimmt einen neuen Fusionsversuch mit - ja mit was, das kann man gar nicht so genau ausloten, vielleicht auch ein wenig Technoeinschlag. Furioser Auftakt, eher kontemplativer Ausklang. Dieses Stück mit erstaunlichen Wendungen ist für mich die Essenz der alles in allem doch recht gut gelungenen neuen CD „Imaginary Day“.


>Vorgestellte< Titel:

Besetzung:

Aufnahmedatum: Frühjahr 1997, NYC


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© markus kurz 97.11.09