RDL-Logo


Markus Kurz - Radio Dreyeckland Freiburg - Jazzredaktion


Charles Lloyd Quartet Canto
(ECM 537 345-2 [1635] - Motor Music)


Charles Lloyd wird sicher immer ausgehend von seinen frühen, wegweisenden Atlantic-Aufnahmen gesehen werden müssen, die - für mich unverständlich - zumindest in Deutschland bisher nur teilweise als CD wieder veröffentlicht wurden. Ich hatte neulich das Glück eine dieser Mono-LPs mit dem Titel „Forest Flower“ zu bekommen und beim Wiederhören eröffnet sich fast unmittelbar die schon damals sehr inspirierte Spielweise von Charles Lloyd auf Tenorsax und Flöte, mit ein wenig Einflüssen von Coltrane und Dolphy. Die Mitspieler waren damals schon vom Feinsten: absolute Topmusiker wie Keith Jarrett (p), Cecil McBee (b) und Jack DeJohnette (dr).

Seit damals wechselten bei Charles Lloyd längere Abstinenz vom aktiven Jazz mit sporadischen Engagements. Das Wiederauftauchen seines meditativen, sehr intensiven und persönlichen Tenorsounds auf ECM Ende der 80er/Anfang der 90er war nach Jahren der Zurückgezogenheit eine der - allerdings nicht überall, vor allem nicht in den USA bemerkten - erfolgreichen Jazzstories der 90er. Das Quartet mit dem Pianisten Bobo Stenson, der ihn auf allen 5 ECM-Alben begleitet hat, dem Bassisten Anders Jormin (beide aus Schweden stammend), sowie dem Drummer Billy Hart hat mittlerweile eine Homogenität erreicht, die traumwandlerisches Zusammenspiel ermöglicht und den folgenden Wahlspruch von Charles Lloyd bewahrheitet: „Es geht nicht um das Solo eines Einzelnen“.

Zusammen gesehen konstituieren diese Alben ein bemerkenswertes Werk im Modern Jazz. Die neue CD „Canto“ geht sicher noch darüberhinaus. Bei den ersten 4 ECM-Alben hat die coole Eleganz an der Oberfläche die glühende Hitze noch etwas ferngehalten. Canto ist etwas bewegter und flirtet mit den sich auftuenden Abgründen: auch freier in einer stetig fließenden Weise, die immer wieder neue musikalische Formen herausbildet.


>Vorgestellte< Titel (alle komponiert von Charles Lloyd):

Besetzung:

Aufnahmedatum: Dezember 1996


< m@rqs music < reviews < playlists <
© markus kurz 97.11.15