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Markus Kurz - Radio Dreyeckland Freiburg - Jazzredaktion


Booker Ervin The In-Between
(Blue Note 7243 8 59379 2 7 Original-Nr. BST-84283 - IRS)


Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren wurde diese fantastische Einspielung von Booker Ervin aufgenommen, auf der er neben seinem Hauptinstrument, dem Tenorsaxophon, außerdem noch Flöte spielt.

Leider war dies auch eine seiner letzten Aufnahmen überhaupt. Wie so viele hervorragende Jazzmusiker ist auch Booker Ervin im Zenit seiner Möglichkeiten 1970 im Alter von nur 40 Jahren an Nierenversagen gestorben.

Der ebenfalls aus der Tradition der Texas-School stammende Tenorist ist in einer Reihe zu nennen mit bspw. Buddy Tate, Arnett Cobb, Illinois Jacquet, Ornette Coleman oder Dewey Redman. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Kooperation mit Charles Mingus in den Jahren 1958-1962, danach hat er desöfteren mit den Pianisten Horace Parlan und Randy Weston hervorragende Aufnahmen eingespielt. Sein Hauptwerk als Leader wurde auf insgesamt 9 LPs für das Prestige-Label Mitte der 60er Jahre dokumentiert.

Obwohl seine Entwicklung zeitlich parallel zur kreativsten Zeit John Coltranes verlief, blieb er als einer der wenigen Tenoristen seiner Generation weitgehend unbeeinflußt von Trane und entwickelte seinen eigenen unverwechselbar vollen, bluesgetränkten Stil. Sich seiner formidablen Technik wohl bewußt, erlaubte er es nie, daß sie die emotionale Intensität seines Spiels überdeckte. Dies spürt man vor allem in dem unvorstellbar intensiven Zusammenspiel mit Randy Weston in der Live-Aufnahme Monterrey 66, die erst Mitte der 90er Jahre erstmals veröffentlicht wurde.

Die In-Between-Session versammelt 6 Titel, ausschließlich Originale von Booker Ervin. Auf dieser Platte kommt besonders deutlich seine Fähigkeit hervor, verschiedene Stimmungen aufzunehmen, zu integrieren und ihre Fäden weiterzuspinnen. Seine Linien werden trotz des offenen, vollen, „hörbaren“ Sounds immer auf eine entwirrende, in sich ruhende Weise artikuliert. „Hörbar“ gemeint im Sinne einer grundsätzlich ehrlichen Übertragung seiner musikalischen Emotionen, ohne besondere Rücksicht auf irgendwelche „In-Betweens“.

Als Resumee des Booklets zu „The In-Between“ läßt sich ein allerdings nur im Englischen mögliches Wort- bzw. Buchstabenspiel entnehmen:

So it is with the music(jazz), if you "let it BE", natural, that is, and you in turn "BE" as natural and honest, a very fruitful and lasting friendship is bound to occur.

Die Vokabel „be“, also „sein“, wird hierbei groß geschrieben, und kann damit gleichzeitig als die Initialen von Booker Ervin gelesen werden.

Booker Ervins Spiel ist natürlich und offen. In diesem Sinne gibt es kein „In-Between“, keine Mißverständnisse, keine Zwischentöne in seiner Musik: wenn man sie läßt, natürlich wie sie ist und als Hörer ebenso natürlich und offen aufnimmt, wird sich eine fruchtbare und andauernde Freundschaft einstellen.


>Vorgestellte< Titel:

Besetzung:

Aufnahmedatum: 12.01.1968


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© markus kurz 98.01.10